Axiomatik NTD



Universelle und triadische Programme der Praktik Denken

Das NTD geht von mannigfaltigen Denkformen aus und nutzt sie gemäß seiner Programmatik. Es ist eine Form der Informationsverarbeitung neben anderen - und muß deshalb auch immer wieder sein Verhältnis zu anderen Programmen klären.
Denkformen

Selbst die Programme, von denen sich das NTD abgrenzt, wie die polyvalenten und die binären Denkformen können in einzelnen Phasen der (epistemischen) Praxis temporär sinnvoll eingesetzt werden. Denkformen
Es gibt nur wenige Programme, die typisch und konstitutiv für das Neue Triadische Denken sind, indigene triadische Programme. Das sind vor allem Programme

In der epistemischen Praxis bedient sich der Triadiker nie ausschließlich indigener triadischer Programme. Er nutzt auch Programme, die in andere epistemischer Praxis entwickelt und professionalisiert wurden.'Logische Schließen' beispielsweise ist nicht hinlänglich für das NTD, aber notwendig irgendwann doch.
Auf diese, für das NTD untypischen professionellen Programme, kann hier nur ausnahmsweise eingegangen werden.

Daneben gibt es universelle Metaprogramme des Denkens, die in vielen alltäglichen Denkformen, also auch jenseits des NTD vorkommen, die jedoch auch obligatorische Teile komplexer Programme des NTD - und anderer professioneller Praxisarten - sind.
Dazu gehören vor allem das Vergleichen, Analysieren, Unterscheiden, Abstrahieren, Strukturieren, Klassifizieren, Kodieren u.a.
In der wissenschaftstheoretischen Literatur gibt es vielfältige Bezeichnungen für die vielen Ausprägungen dieser Metaprogramme des Denkens und unterschiedliche Zu- und Unterordnungen. Je nach den Disziplinen, die sie anwenden, finden sich alternative Definitionen. Dabei kann das NTD nicht stehen bleiben.
Ob es überhaupt sinnvoll ist, nach allgemeinen Programmen über das Denken zu suchen, mag offen bleiben. Möglich ist es jedenfalls, Programme des triadischen Denkens zu umreißen. Je genauer die (epistemische) Praxis eingegrenzt wird, in der die Programme funktionieren, desto genauer werden die Beschreibungen der Programme.
Voraussetzung der triadischen Praxis sind triadische Modelle. Ihre Erzeugung ist eine permanente Aufgabe des NTD. Wie sehen demnach die Programme aus, nach denen das Denken bei der Bildung von Triaden funktioniert? Welche Programme sind hier unverzichtbar, obligatorisch?
Jede Triade besitzt eine Architektur. Architekturen komponieren Elemente, Beziehungen und Ebene. Triadisches Denken muß demnach Elemente isolieren, Beziehungen herstellen und Ebenen bestimmen. Diese permanenten Probleme nimmt das NTD, um die Vielzahl der Programmvorschläge zu ordnen. Eine Möglichkeit zeigt die Triade der Generalprogramme der Bildung von Triaden.

Generalprogrammeder Modellbildung

Im zweiten Schritt geht es darum, zu zeigen, wie die Generalprogramme

  • Elemente,
  • Beziehungen und
  • Ebenen
    erzeugen. Es geht um die spezifisch triadische Ausprägung - und theoretische Begründung - dieser Metaprogramme, um das triadische Verständnis von Analyse und Synthese, Abstraktion, Vergleichen u.s.f..
    Dies sind qualitative und kompositionelle Kriterien. Gemäß des triadischen Verständnisses von Komplexität fehlen quantitative Maße.
    Erst hier kommt das Grundaxiom allen triadischen Denkens zum tragen, daß dazu auffordert, die Elemente /Komponenten, die zur Erklärung der Objekte herangezogen werden, auf genau drei zu reduzieren.
    Das NTD erweitert die Geltung dieser quantitativen Bestimmung auch auf die Ebenen.

Das Dekomponieren der Objekte des Denkens

Die Praktiker zerlegen Dinge mit jeder der Praktiken in der Praxis. Die Dinge haben Architekturen, die Architekturen Elemente. Man kann die Dinge sowohl im Wahrnehmen, als auch im Handeln und im Denken in Elemente zerlegen, analysieren.
Jedes Denken gliedert, um Einheiten zu erzeugen, aus denen sich dann komplexe Gebilde: Begriffe, Sätze bilden lassen. Traditionellerweise spricht man von Analyse und Synthese.

So wenig die Zerlegung materieller Dinge, etwa eines Rindes in der Schlachterei als willkürliches Zerhacken abläuft, so wenig kann das Zerlegen informativer Dinge ohne Rücksicht auf die Ziele einer Praxis erfolgen. Zerlegen will gelernt sein, beim Handeln und Wahrnehmen ebenso, wie beim Denken.

Um das Zerlegen vom Zerstören zu unterscheiden, müssen die Ziele der Praxis klar sein, und es sollte sich eine Vorstellung der Architektur der informativen Dinge entwickeln.
Der Triadiker analysiert mit einer Vorstellung der Funktion der Elemente und auch des Zusammenhangs, der Synthese, die Elemente. Nur so werden sie zu Teilen eines Ganzen, einer Architektur. Deshalb trifft die Rede vom analytisch-synthetischen Charakter des Denkens den Sachverhalt gut. Das NTD spricht meist lieber von Dekomponieren und Komponieren. Es ist klar, daß es mannigfaltige Möglichkeiten gibt, Dinge zu dekomponieren und zu komponieren.
Jedes Analysieren unterscheidet, differenziert Elemente, weil es immer mehrere Elemente gibt; jedenfalls wenn es sich um komplexe Dinge handelt, die das ausschließliche Objekt des NTD sind. 'Unterscheiden' ist ein Programm, ohne das 'Analysen' nicht auskommen. Es ist ein Generalprogramm des Vergleichens - und umgekehrt. (Weiter unten mehr!)

Hat man Elemente (pl.!), hat man Beziehungen. Diese können mithilfe der Triade der Beziehungen (Relata, Relationen, Richtungen; ReReRi) triadisch definiert werden. Das Herstellen von Beziehungen, die Synthese von Komponenten, ist der erste Schritt zur Schaffung komplexer Strukturen. Geht es um die Bildung von Triaden, so gibt das Basismodell der Triaden vor, wie zu komponieren ist.

Das Vergleichen als universelles Programm des Denkens

Das Vergleichen von Informationen ist unvermeidlich, weil alle Menschen immer schon über Programme, Modelle und Werte verfügen, wenn sie Wahrnehmen, Denken und Handeln. Sie mögen für eine beliebige Praxis unzureichend sein. Trotzdem bleibt der Versuch unausweichlich, zumindest Teile der eingehenden Informationen mit vorhandenen in Beziehung zu setzten, sie zu vergleichen. Nur wenn wir uns die Subjekte als eine informationelle tabula rasa vorstellten, wäre ein Vergleichen auszuschließen. Der Triadiker kann das nicht.

Die Allgegenwart von Vergleichsprogrammen

Das NTD sieht im Vergleichen ein obligatorisches Programm zur Bewältigung informationeller Komplexität. Es erlaubt die Normalisierung neuer Informationen und ihre Abgrenzung von gespeicherten.

Das NTD beschränkt das Vergleichen nicht auf den Denkraum. Demgemäß kann man zwischen Vergleichen in Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsräumen bzw. zwischen vergleichendem Wahrnehmen, Denken und Handeln unterscheiden. Subjekt des Vergleichens ist letztlich immer die Praxis bzw. das Subjekt des Praxissystems.
Wir sparen uns in der Folge, auf das Vergleichen in den anderen - sozialen und kulturellen - Klassen der Praxis einzugehen. Dort liegt ein weiteres, interessantes Forschungsfeld.

Das triadische Verständnis des Vergleichens

Das Vergleichen von Informationen ist also ein basales Programm jedes Denkens und auch des triadischen. Es ist nicht auf die Modellbildung spezialisiert, aber jede Modellbildung nutzt es. Es ermöglicht es, die Fülle von Informationen, die in der Praxis auftauchen, zu bewältigen. Es wird sowohl bei der Triadenbildung (Modellieren) als auch beim → Typisieren und der → Klassifikation von Triaden angewendet.
Jeder Vergleich stellt eine Beziehung her. Nach triadischem Verständnis ist eine → Beziehung durch Relata, Relationen und Richtungen definiert. Die Besonderheit von Vergleichsbeziehungen läßt sich danach durch die Vergleichsobjekte(Relata), die Vergleichsmaßstäbe (Relationen) und die Vergleichsrichtungen bestimmen. Damit wird die Architektur der Vergleiche klar.
Charakteristisch für das NTD ist ein spezifisches Verständnis der Struktur von Vergleichen. Danach sollten im ersten Schritt die
• Vergleichsobjekte,
• Vergleichsrichtungenund
• Vergleichsmaßstäbe
auseinandergehalten werden.

Diese Faktoren bestimmen die Vergleichsergebnisse (Produkte). Typen oder/und Varietäten von Vergleichen lassen sich danach unterscheiden, was mit wem unter welchem Maßstab verglichen wird.
Die Dynamik des Vergleichens wird durch die Klärung der obligatorischen Programme erfaßt.
Immer sind

  • die Programme:
    • Aggregieren/Gruppieren,
    • Differenzieren/Unterscheiden,
    • Diskriminieren/Ausgrenzen

      anzuwenden.

Immer haben wir eine Anzahl von Objekten, die nach gemeinsame Merkmalen untereinander und mit Kriterien verglichen werden können. Der Vergleich verschiedener Objekte mit einem Vergleichsmodell/-maßstab führt zur Feststellung von Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Unvergleichlichem.

Die Vergleichsobjekte

Wenn wir uns auf das Vergleichen im Denkraum beschränken, kommen nur Informationen als Vergleichsobjekte in Frage. Bekanntlich unterscheidet das NTD drei Informationsklassen: Daten, Modelle/Programme und Werte. Es ergeben sich danach theoretisch 9 Kombinationsmöglichkeiten, die in jeder Praxis unterschiedlich nützlich sind.
Vergleichsobjekte im triadischen Denken (Triadentrias)

Wenn es um die triadische Modellbildung geht, tauchen Werte vor allem als Klassifikationschema auf.
Man muß sich in jeder sozialen Praxis und in allem disziplinierten Denken darauf einigen, was gerade Daten, was Modelle und was Wertmaßstäbe sind, was also mit wem unter welchem Maßstab verglichen werden soll. Andernfalls kann man sich in unterschiedlichen Vergleichsprogrammen befinden, und arbeitet auf und zwischen unterschiedlichen Ebenen - und kommt zu intersubjektiv unvergleichbaren Ergebnissen.

Die Vergleichsrichtungen

Man kann z.B. Daten mit Modellen und Modelle mit Daten vergleichen, wie sich aus der abgebildeten Triadentrias leicht ablesen läßt. Es ist nicht gleichgültig. in welcher Richtung der Vergleich geht. Die Notwendigkeit, hier zu unterscheiden, ergibt sich allerdings erst, wenn man akzeptiert, daß sich die beiden Faktoren nicht auf einer Ebene sondern in einem hierarchischen Verhältnis befinden. Man kann deshalb top-down und button up Richtungen unterscheiden. Je nachdem empfiehlt es sich auch die Bezeichnungen der Objekte ändern. Vergleicht man Modelle mit Klassifikationen mit dem Ziel der Einordnung in Klassifikationsschemata spricht man bei den Modellen von Artmodellen, vergleicht man mit Daten, subsummiert diese unter die Modelle, kann man von Typen sprechen.
Ein besonderer Fall liegt vor, wenn gleichartige Faktoren miteinander verglichen werden.

Vergleichsmaßstäbe

Bei allen Vergleichen von artgleichen Informationen sind grundsätzlich drei aufeinander bezogene Vergleichsmaßstäbe möglich: Der Vergleich kann ausgerichtet sein auf
• Ähnlichkeit/Homogenität,
• Unterschiede/Heterogenität und
• Andersartigkeit/Alterität.
Dies sind die Faktoren der konstitutiven Basistriade Vergleichen für Informationen.

Maßstäbe für den Vergleich gleicher Klassen von Informationen (Konstitutive Triade)

Diese Triade gilt, wenn wir Daten mit Daten, Modelle oder Programme mit anderen Modellen oder Programmen und Werte mit Werten vergleichen. Das NTD kann jede Basistriade und jedes Element von Basistriaden als Maßstab für den Vergleich von (anderen) Modellen nehmen. Alle Anwendungen triadischer Modelle und damit viele Facetten des NTD lassen sich in diesem Sinne als Vergleichsprozeß auffassen. Aber natürlich lassen sich auch Wahrnehmungsphänomene, Daten, mit Modellen vergleichen. Das führt zum Typ des ebenenübergreifenden Vergleichs.

Vergleichen von artverschiedenen Informationen

Informationen emergieren in den Praktiken unterschiedlich. Deshalb können wir Eigenschaften aus dem im Handlungsraum mit solchem aus dem Wahrnehmungsraum oder solche aus dem Handlungs- oder Wahrnehmungsraum mit solchen aus dem Denkraum vergleichen.
Auch für den Denkraum nimmt das NTD bekanntlich Ebenen an, was zu unterschiedlichen Klassen von Informationen führt. So kann der Triadiker Daten mit Modellen, Modelle mit Werten, Daten mit Werten usf., kurz: Informationen aus verschiedenen Ebenen des Denkraums mit einander vergleichen. Das NTD vergleicht die informativen Dinge in seiner Praxis vorzugsweise mit gespeicherten triadischen Modellen.
In allen Fällen steht von vornherein ein besonderer Typus von Heterogenität im Vordergrund, ein Unterschied zwischen den Ebenen, auf denen die Vergleichsobjekte emergieren.

In der wissenschaftlichen Methodendiskussion wird diese Form des Vergleichens als Kodieren und Messen beschrieben. Man vergleicht die Phänomene mit Modellen und kodiert die Merkmale. Die Wissenschaften bemühen sich, die Vergleichsgrößen möglichst genau zu definieren. Im Idealfall finden quantitative Skalierungen statt, die dann auch Messungen ermöglichen.

Länge, Breite, Höhe sind Dimensionen des euklidischen Modells von Dingen und damit mögliche Parameter für ein Vergleichen bzw. Typisieren. Sie können skaliert werden, z.B. in Zentimeter. 1 cm ist dann eine diskrete Einheit, mit der man Dimensionen von Objekte vergleichen, in diesem quantifizierbaren Fall, messen kann. Messen kann immer auch als Vergleichen von Informationen/Merkmalen eines Objekts mit einem externen Vergleichsmaßstab verstanden werden und es erzeugt eine Typisierung des Phänomens - neben vielen anderen möglichen.

Die Vergleichsmaßstäbe wirken immer nebeneinander und in der Praxis vollziehen sich beständig Wechsel in der Rangordnung. Je nachdem, welcher Maßstab gerade angelegt wird, gibt es unterschiedliche Ergebnisse.

Die obligatorischen Vergleichsprogramme

Das Vergleichen ist ein Ensemble von Operationen, die im Verständnis des NTD durch drei eigenartige Programme gesteuert werden. Sie stehen immer in Interaktionsbeziehung und definieren sich wechselseitig. Je nach den Praxisbedingungen können ihre Benennungen modifiziert werden, wobei erfahrungsgemäß die Veränderung einer Bezeichnung auch die Veränderung der Bezeichnungen der anderen Faktoren nach sich zieht. Das NTD nennt die Programme:
• Aggregieren/Gruppieren,
• Differenzieren/Unterscheiden,
• Diskriminieren/Ausgrenzen.
Vergleichsprogramme

Die drei Programme des Vergleichens verfolgen unterschiedliche Ziele:

  • Gemeinsamkeiten und
  • Unterschiede erzeugen
  • Unvergleichliches aussortieren.

Vergleichsziele

Die drei obligatorischen Vergleichsprogramme

Um die Faktoren der Triade der Vergleichsprogramme und ihre Beziehungen genauer zu bestimmen, sollte geklärt werden, in welchem Praxissystem die Vergleiche stattfinden. Gehen wir von einer empirischen epistemischen Praxis mit dem Ziel der Modellbildung aus, so ergibt sich das folgende Bild. ((Vgl. a. den Artikel 'Typenbildung'))

  • Voraussetzung und Startpunkt der Vergleichsprogramme sind Gruppen/Cluster von Informationen, die entweder - z.B. als Datenpool, Grundgesamtheit - gegeben sind oder erzeugt werden. Das Unterscheiden/Differenzieren von Daten - bzw. von Merkmalen oder Eigenschaften in den anderen Räumen - macht nur Sinn, wenn das Unterschiedene wieder gruppiert/geclustert wird, was notwendig zur Ausgrenzung der für die anstehenden Zwecke nicht gruppenfähigen Daten/Merkmalen/Eigenschaften führt. Nur zusammen leisten die drei Operationen ein Vergleichen im triadischen Sinne.
    In jeder konkreten Praxisgibt es Rangunterschiede zwischen den drei Prozessen (Faktoren) des Vergleichens: Mal sucht man nach Gemeinsamkeiten, mal will man Unterschiede erkennen und dann gibt es die Systembildung mit dem Ausgrenzen von Informationen. Die Rangordnung bestimmt die Reihenfolge der Operationen, das → Ablaufschema - und umgekehrt.
  • Die Teilprogramme, die Unterschiede erzeugen, nennt man gemeinhin Unterscheiden. Beispielsweise kann man nach 'Gegenbegriffen' suchen, um vorhandene Daten oder Modelle genauer zu beschreiben. Dieses Kontrastieren ist eine Variante des Unterscheidens.

    Ausgiebig wird sie in Lexikon »Geschichtliche Grundbegriffe« (Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Hrsg. von Otto Brunner, Werner Conze und Reinhart Koselleck, 1972 - 1997) genutzt, um die Entwicklung der Begriffe zu klären.
  • Für die Suche nach Gemeinsamkeiten gibt es im Neuhochdeutschen keinen guten Ausdruck. Es läßt sich kein Verb mehr zum Substantiv die 'gemein(de)' bzw. 'Gemeinsamkeiten' bilden. Jedenfalls ist das Ergebnis der erfolgreichen Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichen Objekten eine Gruppenbildung. Deshalb wird der Faktor meist Gruppieren (groupement bei Jean Piaget) genannt. 'Gemeinsamkeiten erzeugen' und 'Gemeinsamkeiten erkennen' scheint im Denken auf dasselbe hinauszulaufen.

    Im Althochdeutschen war das Fokussieren des Prozesses durch das Wort 'gimeinan' vermutlich noch möglich. Ein Ergebnis des 'gemein Machens' nannte man früher die 'gemein'. Schon der Verfasser des Artikels 'gemein' im Grimmschen Wörterbuch nannte das Wort in der 2. Hälfte des 19.JHs.'übel heruntergekommen'. Jüngst gewinnt der sprachliche Import 'Commons' wieder an Bedeutung, wenn es um die gemeinfreien Güter und 'solidarische' Kooperationsgemeinschaften geht. Die Ableitung 'Solidarisieren' ist allerdings zu speziell um das 'gemein machen' zu ersetzen.
  • Im Denken erscheint das 3. Teilprogramm als Aussortieren, Ausgrenzen, Ausscheiden und Diskriminieren. Man legt das, was man nicht zuordnen kann, bis auf weiteres zu Seite und bildet eine systematische Gruppe. Das Ausgegrenzte, die Umwelt, kann in einem erneuten Prozeß als unbekannte Gruppe behandelt, erforscht werden.
    Psychodynamisch ist die Beschäftigung mit dem Fremden in der menschlichen Praxis anstrengend und zumindest nach der Kindheit häufig angsterzeugend. Wird sie prämiert, spricht man in vielen Kontexten von Entdecken oder/und Erforschen. Glückliche Entdeckungen normalisieren das bis dato Fremdartige und machen es vergleichbar mit anderen Phänomenen.
    Mit der Bestimmung des Entdeckens als Vergleichbar-Machen des Unvergleichlichen beschreiben wir schon ein Verhältnis zwischen den Prozessen. Sie sind, wie bei allen Triaden, zwar einerseits unabhängig, aber andererseits beeinflussen sie sich wechselseitig und erklären einander. Es gibt in der dynamischen Vergleichstriade zirkuläre Zusammenhänge: Das Vergleichen von Informationen setzt klarerweise unterschiedliche Informationen voraus, schafft aber eben auch erst die Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Und das Unvergleichliche emergiert auch erst durch Vergleichen von Merkmalen, die erst unterschieden sein wollen, damit sie verglichen werden können.
    Aber das ist nur ein theoretisches Problem in einem nicht temporalisierten Paradigma. Die Praxis hält immer einen Einstieg in den Zirkel bereit.

Denken und Modellbildung als Abstraktionsprozeß

Abstrahieren ist kein spezifisch triadischer Prozeß und er ist auch nicht auf wissenschaftliche Modellbildung spezialisiert. Wir finden ihn in allem Denken und möglicherweise auch in anderen Praktiken.
In seiner Summa theologiae, die das akademische und theologische Denken des Mittelalters geprägt hat, führt Thomas von Aquin (1225–1274) die Abstraktion neben der Analyse und Synthese, also dem Trennen und Zusammenführen als dritte Leistung des Verstandes ein. Und er stellt auch eine Stufenleiter der Abstraktion auf. (Vgl. u.a. I 85, 1)

Konstitutiv für das NTD ist seine Programmierung und Modellierung als Transformationsprozeß über Ebenen des Denkraumes.
Dieses innovative Konzept ist ohne die Triade der Praktiken und der ihnen zugeordneten Räume nicht zu begründen.

Das Abstrahieren ist für den Triadiker unvermeidbar, weil sein Denken Räume mit einer Tektonik - und nicht bloß flache Strukturen - schafft.

Abstrahieren und Konkretisieren als Linearprozeß mit entgegengesetzten Richtungen

Das Transformieren zwischen logischen Ebenen im Denkraum kennt zwei Richtungen, normalerweise werden sie als button up und top down bezeichnet. (Transformationen auf einer Ebene gibt es auch, aber das sind keine Abstraktionen.) Abstrahieren nimmt die Richtung von Unten nach Oben und die Gegenrichtung bezeichnet das NTD als Konkretisieren.

Die Existenz von Stufen ist unter den Philosophen und später den Psychologen, Pädagogen, Biologen usf. kaum umstritten, und es finden sich die vielfältigsten Versuche, eine bestimmte Abfolge des Generalisierens, eine Stufenleiter beim Abstrahieren zu behaupten, zu begründen, axiomatisch zu setzen. Problematisch bleibt immer die Anzahl der Stufen und damit auch die Klärung, auf welcher Stufe der Abstraktionsprozeß beginnen bzw. enden soll.
Zweifel sind freilich angebracht, ob es sinnvoll ist, allgemeine Stufenleitern des Denkens vorzuschlagen. Letztlich hängen die Abstufungen von den praktischen Zielen ab. Für die Bildung von Triaden legt das NTD eine Stufenleiter fest.

Für sich genommen sind das Abstrahieren und das Konkretisieren lineare Prozesse. In der Praxis werden sie meist verknüpft und wir erzeugen dadurch zirkuläre Prozesse.
Triadische Modellbildung ist ein

  • linearer
  • zirkulärer und rückgekoppelter Abstraktionsprozeß.
  • Da gleichzeitig mehrere Transformationsprozesse möglich sind, kann auch die Interaktion zwischen parallelen Abstraktionsprozessen beobachtet und gestaltet werden.
    Man kann den linearen Charakter der Abstraktion im konkreten Fall prämieren, aber das basale Modell wird nicht auf die eine Dimension verkürzt. Dies wäre zu viel der Komplexitätsreduktion (auf der axiomatischen Ebene). Abstrahierendes Denken ist das Ergebnis der Interaktion der drei Prozeßtypen.

Phasen und Stufen des Abstraktionsprozesses

Das Abstrahieren ist ein dynamischer Prozeß. Der Abstraktionsprozeß selbst besitzt so große Komplexität, daß wir ihn immer wieder sequenzieren müssen. Er mag als Kontinuum ablaufen, aber in jedem Augenblick, in dem wir in der Abstraktion zu einem neuen (Teil-)Begriff kommen, sequenzieren wir diesen Prozeß. Wir stoppen ihn mehr oder weniger willkürlich - und setzten die sequenzierten Teile zusammen. Man spricht deshalb von Stufen und weiter von einer Stufenleiter der Abstraktion.

Tektonische Ebenen des Denkraumes

Die Annahmen von top down und button up-Prozessen sowie von 'Abstraktionsleitern' bleibt natürlich solange reine Metaphorik, solange man nicht klärt, was in den Räumen 'Oben' und 'Unten' meint.
Die Skalierung der Abstraktionsleiter erfolgt im NTD nach dem Grad der Allgemeinheit bzw. der empirischen Konkretisierung. Diese Skalierungsweise drückt sich bspw. in Ordnungszahlen oder in der Verwendung der Vorsilben ‚meta' oder 'sub' aus.

Die Geltungsweite der Modelle als Kriterium der tektonischen Skalierung

Jedes Denken bewältigt informationelle Komplexität, indem es verallgemeinert, generalisiert.
Das liegt letztlich daran, daß weder der einzelne Mensch, noch Kulturen, noch soziale Gemeinschaften die Objekte in deren Totalität erfassen können. Sie sind komplex und im Prozeß der Reduktion dieser mannigfaltigen Merkmale entstehen Modelle, die abkürzen und prämieren. Eine für viele Zwecke vorteilhafte Konsequenz dieses Ablaufs ist, daß die gedanklichen Abbilder bzw. sozialen/sprachlichen Begriffe nun nicht mehr das eine bestimmte (wahrgenommene) Dinge repräsentieren sondern viele ähnliche weitere mit. Je genauer die Repräsentation, desto weniger ist sie auf ähnliche Dinge übertragbar - und umgekehrt bedeutet dies, daß mit dem Grad der Verallgemeinerung die Summe der ähnlichen Dinge zunimmt. Diese Erfahrung wird als Generalisierungsleistung des Denkens seit je beschrieben.
Der 'Baum vorne im eigenen Garten' steht allein und mag als Individuum einen Namen bekommen, erkennen wir ihn als einen Vertreter der 'Beurre Bosc', werden wir viele weitere Exemplare/Dinge mit gleichen Merkmalen finden. 'Obstbäume' lassen sich noch weit mehr finden, der Begriff 'Bäume' reduziert den Detailreichtum der Objektwelt noch weiter - verallgemeinert noch stärker.
Jedes → Typisieren ist ein solcher Akt des Verallgemeinerns, des Generalisierens.

Die Tektonik der Räume epistemischer triadischer Praxis

Da es viele Denkräume gibt, gibt es auch viele unterschiedliche Skalierungen der tektonischen, vertikalen Dimension. Die Suche nach universellen Abstraktionsebenen erscheint dem Triadiker sinnlos. Sinnvoll bleibt es, jeweils praxisspezifisch Stufen der Abstraktion nach dem Grade der Allgemeinheit, zu unterscheiden.
Der Denkraum des Triadikers, der in epistemischer Praxis Triaden entwickelt und anwendet, hat auf der allgemeinsten Stufe mindestens die Ebenen:Daten, (ad hoc) Modelle und Klassifikationen. Die Modellebene besitzt weitere (Sub-)Stufen, mindestens kann zwischen ad hoc Modellen, Artmodellen/Idealtypen und klassifizierten Modellen unterschieden werden.

Die Tektonik der Begriffe

Hinter dem Programm 'Abstrahieren' im NTD stehen also Grundannahmen über den Denkraum. Aber auch jedes einzelne triadische Modell als Element des Denkraumes besitzt eine Tektonik. Alle Begriffe lassen sich als - kognitive bzw. soziale bzw. kulturelle - Modelle auffassen. Auch der Name eines konkreten Individuums ist letztlich ein Modell. Denn das Individuum ist für den Wahrnehmenden ebenfalls so reich an Merkmalen, daß er auswählen und clustern, modellieren muß. Immer finden hierbei Abstraktionen statt.
Bei den triadischen (Basis-)Modellen sind die Ebenen Cluster/Merkmale, Faktoren und Objekt zu unterscheiden.
(Mehr in Das Metamodell der Architektur von Basistriaden )
Begriffe/Objekte der ersten Ebenen von Triaden werden durch jene der zweiten, Objekte der zweiten Ebene durch jene der dritten erklärt. Gleiches gilt auch für die Triadentrias.

Man muß hinsichtlich der Geltung von Triaden unterscheiden, ob sie als Basistriade oder als Faktorentrias der Triadentrias auftauchen. Die konstitutiven elementaren Basistriaden liegen auf der höchsten Allgemeinheitsstufe. Sie bewähren sich auf besonders viel Gebieten als Orientierungsrahmen.

Besondern und Verallgemeinern und das Zusammenwirken der Räume der Praktiken beim Denken

In der individuellen Praxis wirken Denken, Wahrnehmen und Handeln zusammen. Es werden sowohl ein Denk- als auch ein Wahrnehmungs- und Handlungsraum geschaffen. Während kein Denken umhin kommt, Begriffe und Modelle zu bilden, zu verallgemeinern, zu typisieren und Hierarchien zwischen den Typen zu erzeugen, liefert der Wahrnehmungsraum. nur Einzelfälle. Er ist konkret, besonders und spezifisch für die jeweilige Praxis des Praktikers. Jede menschliche Praxis besondert und verallgemeinert ihre Objekte. (Das ist ein Pendant zum Konkretisieren und Abstrahieren.)

Das Neue Triadische Denken löst das philosophische Problem des Verhältnisses des Besonderen zum Allgemeinen in die Wechselwirkung zwischen den drei Praktiken auf. Jedes individuelle menschliche Handeln besondert, konkretisiert, den mehr oder weniger allgemeinen Plan, das Modell, aus dem Denkraum.

Einordnen und Unterordnen

Jedes Denken stellt beständig vertikale und horizontale Beziehungen zwischen den Objekten/Begriffen in den Denkräumen her.
Jedes Einordnen eines Objekts/Begriffs ist ein Unterordnen unter eine abstraktere Kategorie. Wir haben ein Objekt/Element auf einer Ebene und eine vertikale Relation zu einem Element auf einer abstrakteren Ebene. Ein Spezialfall dieser Relation ist die Subsumption von Besonderem unter Allgemeines. Dies ist eine Möglichkeit, zu erklären.

Die Interaktion von analytischen, vergleichenden und abstrahierenden Programmen

Die Programmgattungen wirken bei der triadischen Modellbildung in den unterschiedlichen Phasen mit jeweils unterschiedlicher Energie zusammen.
Vergleiche sollten sich horizontal auf einer Ebene bewegen. Abstraktionen erzeugen vertikale Beziehungen. Nur beide Programme gemeinsam können Räume, Architekturnm im Denkern hevorbringen.

Klassifizieren und Klassifikationserzeugung

Der Denkraum der Menschen ist in sich in viele → Denkräume differenziert. Man kann ihn sich wie einen städtischen Raum vorstellen, in dem es viele Häuser, das sind ebenfalls Räume, mit vielen Zimmern gibt.
Alle Räume haben - als Koordinatenräume - Koordinaten. Manche Koordinaten in manchen Denkräumen sind gut definiert und skaliert. Andere bleiben vage, je nachdem was in der Praxis der Menschen erforderlich war und abgespeichert ist.
Der Triadiker braucht für seine Modelle immer wieder gut skalierte Denkräume. Er braucht → Klassifikationsschemata, um die Modelle einzuordnen, zu → Klassifizieren, sie miteinander zu vergleichen und Hierarchien herzustellen.
Für die Beziehungen der Triaden im Denkraum gelten die gleichen Regeln wie in anderen Räumen: Sie können nebeneinander bestehen, zu Triadentrias hierarchisch geordnet werden oder/und gegeneinander in Konkurrenz stehen, sich widersprechen. Die idealtypischen Modelle (Triaden) als Elemente des triadischen Denkraumes haben jedenfalls in jeder konkreten Praxis bzw. in Praxisarten ein bestimmtes Verhältnis zu anderen Modellen im Denkraum. Jede typisierte Triade hat einen Rang und steht in einer Juxtaposition zu anderen Typen.
Obligatorisch für triadische Klassifikationsschemata ist, daß sie aus drei Koordinaten gebildet werden. Sie unterscheiden sich insoweit von Tabellen, die nur zwei Koordinaten besitzen, Reihen und Spalten.
Klassifikationsschemata haben viele Funktion im Denken. Klassifikation_Funktionen.jpg Sie ordnen die Wahrnehmung und das Denken und können wie Datenbanken wirken, wenn sie denn ausreichend mit Modellen gefüllt sind. Sie können auch heuristische Funktionen erfüllen, wie das Periodensystem der Elemente paradigmatisch zeigt, welches Elemente annimmt, die erst noch empirisch zu finden sind - und teilweise auch schon gefunden wurden.
Die einfachste Form einer solchen hierarchischen Beziehung zwischen Triaden ist die → Triadentrias®.

axiomatik_ntd, id1193, letzte Änderung: 2021-09-22 10:58:43