Axiomatik NTD


Die Dimensionen der epistemischen Praxis

Alles triadische Denken ist in eine triadische Praxis eingebaut und reduziert sich nicht auf die Transformation von Informationen. Von den Programmen des Erkenntnisgewinns, auch der Triadenbildung ist die Einrichtung und Gestaltung der epistemischen Interaktionssysteme zu unterscheiden, deren Funktion es sein soll, die epistemische Praxis überhaupt erst zu ermöglichen.
Jedes triadische Denken und mithin auch der Spezialfall der Bildung von Triaden findet in Interaktionssystemen statt und es gibt idealtypische Architekturen, Umweltbeziehungen und Abläufe. Jede erfolgreiche Praxis führt zur Systembildung und erst passende Systembildung ermöglicht eine funktionierende Praxis. Man sollte die Prozesse nicht vermischen, aber auch keinen vernachlässigen.

Die wiederholte Betonung scheint geboten, weil in der Methodendiskussion in den Sozialwissenschaften die Einrichtung des wissenschaftlichen Systems (Forschungssystems) selten konsequent berücksichtigt wird. Eben deshalb heißt sie Methoden-Diskussion und steht die Frage nach den Methoden als tools so klar im Vordergrund.

Es ist sinnlos, Methoden zu beschreiben ohne die Praxissysteme zu klären, in denen sie funktionieren (sollen).

Die Fokussierung auf die Methoden führt regelmäßig dazu, daß die Programme der Systembildung (Aufbau, Erhalt, Auflösung) vernachlässigt werden. Den Aufgaben bei der Bildung von Forschungssystemen haben Giesecke/Rappe-Giesecke (1997) ausführlich Raum gegeben.
Das Problem wiederholt sich natürlich in anderen Bereichen, wie Beratung, Therapie und Unterricht. Auch hier sollte zwischen den Beratungs-, Therapie und Unterrichtsmethoden einerseits und der Gestaltung eines geeigneten Settings unterschieden werden. Man kann sagen, daß die bereitgestellten Ressourcen und die Organisation des Interaktionssystems den Ablauf ähnlich bestimmen, wie ein Versuchsaufbau den Ablauf des Experiments. Vgl. i.d.S. für die Beratung Rappe-Giesecke 2008

Grundlage der Bildung von epistemischen Interaktionssystemen ist das triadische Verständnis der Systeme als emergentes Produkt der drei Dimensionen: Dynamik, Architektur und Umweltbeziehungen. Die Gestaltung dieser Dimensionen ist eine permanente Aufgabe jeder Praxis
Permanente Problme der Praxissystemgestaltung

Dynamik der epistemischen Praxis und die Prozeßgestaltung

Die Prämierung des Denkens bestimmt den Ablauf der Praxis, die Komposition der Elemente, Beziehungen und Ebenen sowie die Umweltbeziehungen. Der Leitprozeß wird Informationsverarbeitung.
Für die Steuerung und Regelung des Ablaufs der Erkenntnisproduktion stehen dem NTD verschiedene Programme zur Verfügung.

  • Zu berücksichtigen sind mindestens die Typologie der Prozesse, also die Triade der → Prozeßtypen, nach der lineare, parallele und zirkuläre Prozesse im Ablauf jeder Praxis zu unterscheiden sind. Bei der Gestaltung der dynamischen Dimension werden Linearprozesse prämiert. Sie geben das Ziel der Praxis und damit die Steuerungsgröße vor. Für Linearprozesse gilt die Regel, daß sie grundsätzlich in drei Phasen zu unterteilen sind.
    Für die Dynamik von Praxissystemen gilt das triadische Phasenmodell: Systemkonstitution, Funktionserfüllung, Systemauflösung.
    → Systembildung
    Die Systemkonstitution und die -auflösung lassen sich besser bei den sozialen und kulturellen Forschungssystemen beschreiben.
    Jeder einzelne triadische Epistemiker schafft in seiner epistemischen Praxis die Minimalform eines epistemischen bzw. eines epistemologischen Systems mit maximal reduzierter Bedeutung von materiellem Handeln. Nachdenken kann fast überall erfolgen, bedarf nur minimaler materielle Medien und stellt wenig Ansprüche an die Strukturen des Praxissystems.
    Viel bedeutungsvoller bleibt der Handlungsraum, sobald wir soziale Forschungssysteme vor uns haben. Diese müssen geplant und eingerichtet werden, es braucht spezielle Räume, Finanzen und andere Ressourcen - und durchaus nicht nur informationelle. Das Knüpfen, Halten und Lösen sozialer Beziehungen gewinnt in Forschungseinrichtungen ebenso an Bedeutung wie Laboreinrichtungen, Maschinen und Speicheranlagen. Am stärksten gewinnt der Handlungsraum und die Handlungspraktik in der anwendungsorientierten Forschung an Bedeutung, am geringsten vermutlich in der auf Selbstreflexion spezialisierten epistemologischen Praxis.
    Insofern ist die Triadenbildung als epistemische und meist auch epistemologische Praxis ein ziemlich ungeeignetes Objekt zur Demonstration der Programme und Systeme epistemischer sozialer Praxis. Sie hat ihre Berechtigung insofern, als letztlich in aller epistemischer Praxis mit einem gewissen wissenschaftlichen Anspruch, auch ein Nachdenken über das eigenen Vorgehen, die hinter den Programmen stehenden Metamodellen und Werten gefordert ist.
    Die besonderen Anforderungen an soziale epistemische und epistemologischen Systemen behandelt das Buch 'Supervision als Medium kommunikativer Sozialforschung' (Giesecke/Rappe-Giesecke 1997). Jede soziale epistemische Praxis ist als kommunikative zu gestalten, was dann soziale Strukturbildung erfordert und nach sich zieht.

    In der individuellen epistemischen Praxis können die Generalphasen sehr verkürzt ablaufen. Aber auch hier gibt es Voraussetzungen für die Einleitung von Nachdenken.
  • In der Konstitutionsphase klärt sich das Erkenntnisinteresses und es findet eine vorläufige Stabilisierung des Objekts/Explikandums statt. Die triadische Modellbildung kann einsetzen, wenn irgendeine Irritation bei Menschen - oder anderen Subjekten - auftritt, von der sie meinen, daß sie durch Nachdenken überwunden/normalisiert werden kann.
    In der Auflösungsphase wird die Anwendung der Ergebnisse des Denkens, der Begriffe und Modelle vorbereitet.
  • Die Generalphase der Funktionserfüllung in der individuellen epistemischen Praxis läßt sich in die Phasen: → Datenerhebung,→ Modellbildung und → Modellanwendung einteilen. Die Aufgaben aller Subphasen werden durch spezielle Programme bewältigt.

  • Wenn es um Entdecken, Erfinden und andere schöpferische Vorgänge geht, dann kommt das Zusammenspiel von Parallelprozessen - vor allem Komplexitätsbewältigung, Informationstransformation und Komposition - und damit Emergenzphänomene ins Spiel.

  • Wenn dynamische Strukturen begrenzt werden, entstehen dynamische Systeme, in denen Rückkopplungsprozesse den Grenzerhalt sichern. Auch, was die Zeitdimension angeht, müssen Grenzen kontrolliert und gestaltet, Prozesse terminiert werden. So auch in der epistemischen Praxis: Keine Datenergebung, Modellbildung und Modelltests haben ein natürliches Ende.Jedes Beschreiben läßt sich genauer ausführen.

Architektur und Struktur epistemischer Interaktionssysteme

Epistemische Praxis führt zu epistemischen Systemen. Die individuelle epistemische Praxis führt zu epistemischen Interaktionssystemen. Nach triadischen Verständnis hat jeder Praxis eine Architektur.Für die Architektur der Praxis gilt die Komponententriade, die zwischen Elementen, Beziehungen und Ebenen unterscheidet. Die Menschen sind eine Komponente, ein Faktor, der Praxis in jeder Klasse und Gattung der Praxis. Die Ebenen der Praxis werden durch die Emergenz der Menschen/Praktiker bestimmt. In der individuellen Praxis sind dies die Menschen als multisensuelle, multiprozessorale und multieffektive Praktiker - nicht als soziale Rollen/Kommunikatoren oder als biogene Gattungswesen. In der individuellen epistemischen Praxis treten sie als Forscher auf.
Die Struktur jeder individuellen Praxis wird durch die Faktoren Subjekt, Objekt und Funktion bestimmt. Wir können dieses strukturelle Standardmodell unter der epistemischen Perspektive modifizieren. Es entsteht die strukturelle epistemische Basistriade. Sie gehört zu den konstitutiven Basistriaden des NTD.
Im Hintergrund des methodisch kontrollierten triadischen Denkens steht die Vorstellung, daß sich individuelle Erkenntnisprozesse aus dem Zusammenwirken von Subjekt (Standpunkt), Objekt (Gegenstand) und der spezifischen Perspektive, die den Erkenntnisprozeß bestimmt, beschreiben lassen. Die Erkenntnis entsteht aus dem Zusammenwirken von Subjekt, Funktion und Objekt.

Struktur der epistemischen Praxissysteme

Dies ist eine Spezifizierung der Triadentrias der Struktur individueller Praxis.

Die Triadische Epistemologie erweitert damit das klassische Subjekt-Objekt-Modell und vermeidet die dort angelegte polare Gegenüberstellung durch die obligatorische Hinzufügung der Funktion der Praxis.

Die strukturelle Basistriade verkürzt die Architektur der Praxis, insoweit nur Elemente und Beziehungen, nicht aber die Ebenen berücksichtigt werden. Es wird zweidimensional strukturiert. Das ist für den Triadiker oftmals sinnvoll. Jede Architektur hat auch → Strukturen; das Umgekehrte gilt natürlich nicht! Bei dem Strukturmodell bleibt zunächst offen, auf welcher Ebene die Faktoren, vor allem eben die Subjekte, emergieren: als Individuen, als soziale Idealtypen oder als Gattungswesen. Durch die Bestimmung individuelle epistemischen Praxis wird diese Präzisierung nachgereicht.

Epistemisches System, Cluster

Subjekte der triadischen Epistemologie

Die triadische Erkenntnis kann ablaufen
als individuelle Praxis

  • eines einzelnen Menschen (als Individuum oder als Rolle)
    als sozial-kommunikative Praxis
  • eines Team, einer sozialen Gruppe, einer Dyade
  • einer Institution oder andere organsierter Sozialsysteme
  • von Gesellschaften, Staaten
    als Praxis
  • von und in ökologisch-kulturellen Systemen.

Wenden wir uns, was der Normalfall in den philosophischen Erkenntnistheorien ist, dem Individuum als Subjekt genauer zu.
Hinter dem Neuen Triadischen Denken steht, ein Modell des wahrnehmenden, denkenden und handelnden → Menschen, welches sich von der traditionellen Erkenntnistheorie in wichtigen Punkten unterscheidet.
Der Mensch als Subjekt triadischen Denkens und triadischer Praxis überhaupt wird als mehrsensorielles Wesen begriffen, welches Informationen mit mehreren Prozessoren zugleich verarbeiten und gleichzeitig in mehreren Medien darstellen kann.
Es gilt die basale Unterscheidung der Subjekte als Praktiker: Handelnder, Wahrnehmender, Denker bzw. Sensor, Prozessor, Effektor.
Das epistemische Subjekt typisiert sich jeweils anders, wenn es sich als Handelnder, als Wahrnehmender oder als Denker beschreibt, sieht bzw. begreift. Als Handelnder kann er experimentieren, Interviewen, Vorträge halten, Aufsätze schreiben usf. Als Beobachter nimmt er Standpunkte ein und sieht seine Umwelt unter bestimmten Perspektiven, jedenfalls solange wir uns im visuellen Paradigma bewegen. Als Denker kombiniert er Daten, abstrahiert, klassifiziert usf.

Je nachdem, ob das Subjekt als Handelnder, als Beobachter oder als Konstrukteur von Modellen auftritt, ob die Funktion eher in der Umweltveränderung, der Sammlung von Umweltinformationen oder der Ordnung der Gedanken liegt, entstehen eigene Typen epistemischer Praxissystemen.

Objekte der epistemischen Praxis

In jeder individuellen Praxis gibt es noch eine andere Art von Elementen, die als Objekte bezeichnet werden. Das sind Dinge, Räume oder Prozesse, die gestaltet werden sollen. Über die Objekte der Erkenntnis läßt sich keine vollständige Liste erstellen. Aber es gibt einige Triaden, die versuchen, die 'Objekte' der Praxis zu modellieren.

  • Die Paramter der Welt (RaDiZe) erscheinen dem Praktiker als Räume mit Architekturen als mehrdimensionale Dinge/Körper und die Zeit als Konglomerat von Prozessen. Objekttypen
    Für den Triadiker gilt die Regel:
Betrachte die Räume, Dinge und Prozesse als dreidimensionale Objekte und beschreibe sie aus mehreren Perspektiven

Diese Regel gilt auch für die Beschreibung sozialer und kultureller Beziehungen, Prozessen und anderen 'faits sociaux'. Auch Kommunikationssysteme lassen sich als - sozialkommunikative - Körper gut modellieren.

Morphologische Soziologie

Alle Räume und Dinge haben Dimensionen können deshalb aus mehreren 'passenden' Perspektiven wahrgenommen und beschrieben werden. Die Frage drehte sich immer wieder darum, wieviele Ansichten eines Phänomens erforderlich sind, um es befriedigend zu beschreiben.

Prozesse als Objekte der Praxis

  • Immer gilt die Triade der Dinge der Welt: Information, Energie und Materie. In der epistemischen Praxis geht es vordringlich um die informativen Objekte. Die informativen Objekte i.e.S. können als Daten, Modelle/Programme und als Werte emergieren.Dinge der Welt

  • Grundlegend ist weiter die Unterscheidung nach den drei Praktiken und den von diesen geschaffenen Dingen und Räumen. Das NTD bezeichnet die Elemente des Denkraumes als (informative)Objekte i.e.S. - im Unterschied zu den Phänomenen des Wahrnehmungsraumes und den Dingen des Handlungsraumes. (Als Oberbegriff wird meist von 'Objekten gesprochen.)Objekte der Welt

  • Weiter unterscheiden sich die Objekte nach den Klassen, Gattungen und Arten der Praxis.

Beim instrumentellen Handeln der Individuen sind d1e Objekte Arbeitsgegenständen, in der sozialen Interaktion die Interaktionspartner, andere Menschen, komplementäre Rollen, in der Kommunikation können es Gesprächspartner, Leser oder das Massenpublikum sein. In der ökologisch-kulturellen Praxis gibt es keine Unterschiede zwischen Subjekten und Objekten, wir haben nach triadischem Verständnis drei gleichberechtigte Faktoren, die in Wechselbeziehungen stehen.

Sobald ein Erkenntnisinteresse, eine Absicht oder ein anderer Zweck da ist, gibt es auch ein Gegenüber, ein Objekt, auf daß sich die Aufmerksamkeit richtet.
Kerngeschäft ist die Transformation von Informationen in den Denkraum und im Denkraum.

  • Konstitutiv für das triadischen Denken ist, daß es nur einsetzen kann, wenn die Phänomene als mannigfaltig, die Objekte als komplex wahrgenommen und behandelt werden. Und natürlich sind auch die Produkte der epistemischen Praxis, vor allem die Triade, komplex. Daneben unterscheidet das NTD noch die elementaren und die analytisch-grenzenlose Objekte.

Die Objekte können in der Informationsverarbeitung als einfache, opake Elemente behandelt werden. Die elementaren Objekte haben den Status von Daten, die bis auf weiteres als fraglos hingenommen werden. Das ist der übliche Umgang mit Begriffen im Alltag.
Fangen wir an, zu analysieren, teilen sich die elementaren Elemente in eine Vielzahl von Subelemente, die mindestens in Relation zum elementaren Element stehen. Die analytischen Elemente haben mindestens eine Bindung und insofern im Gegensatz zu den elementaren immer eine relative Valenz/Eigenschaft. Die Möglichkeiten, Objekte zu zerlegen sind unbegrenzt und deshalb sind analytische Objekte grenzenlos.
Selten bleibt das Denken und jede andere Informationsverarbeitung bei der Analyse stehen. Die zerlegten Elemente werden in einem weiteren Prozeßschritt komponiert. Elemete, Beziehungen und Ebenen werden endlich.
Eben deshalb hat sich die Rede vom Denken als analytisch-synthetischem Vorgang verbreitet. (S. L. Rubinstein) Jede synthetische Komposition steht vor der Aufgabe, aus der Vielzahl der Elemente und Beziehungen eine begrenzte Anzahl auszuwählen.
Die komponierten Objekte sind im Gegensatz zu den analytischen Objekten aus endlichen Elementen zusammengebaut. Zumindest werden sie im Denken so behandelt. Die → Komposition ist ein Faktor der → Komplexität.
Es gilt die typologische Triade der Objekte i.e.S. des NTD: elementare, analytisch-grenzenlose und komponierte komplexe Objekte.
Alle synthetischen Objekten lassen sich in anderen Denkprozessen als elementare Objekte begreifen. Diese lassen sich auch anders zerlegen und so entstehen neue analytische Objekte, die sich wiederum synthetisieren lassen. Alle Triaden sind insoweit sowohl elementare als auch analytische und komponierte Objekte.

Bildname

Funktionale Beziehungen und Perspektiven

Zwischen den Elementen der Praxis bestehen Beziehungen. In der epistemischen Praxis sind Beziehungen aufzubauen, die dem Subjekt die Verarbeitung von Informationen über das Objekt ermöglichen. Ein Erkenntnisprozeß setzt, wie alle andere menschliche und soziale Praxis erst dann ein, wenn ein Anlaß dafür gegeben ist.

Erkenntnis und Interesse hieß ein 1968 erschienenes Werk von Jürgen Habermas, in dem er die Notwendigkeit der Interessenklärung für jede Epistemologie und insbesondere für die Wissenschaften hervorhob. Je nach den Klassen der Praxis, dem Emergenzniveau der Subjekten und Objekten können dies individuelle Motive oder Irritationen, soziale Zwecke oder Funktionen oder Aufträge sein, kulturhistorische Konstellationen, die Probleme auf die Tagungsordnung bringen u.v.a.m. sein. Das triadische Denken ist - wie jede Praxis - zeit-, kontext- und perspektivengebunden.

Das NTD geht von der Annahme aus, daß das Verstehen der Menschen und sozialer und kultureller Subjekte aus jeweils begrenzten Perspektiven erfolgt.

Ohne die Klärung der konkreten Praxis und der Perspektiven Subjekte bleibt jedes Verstehen triadischer - und anderer - Praxis unvollständig.
Je nach den Interessen konstellieren sich die Beziehungen zwischen den Subjekten und ihren Objekten. (Das Umgekehrte geht auch!) Sie lassen sich kaum allgemein bestimmen: Je nachdem, ob die Subjekt als Beobachter, Denker oder Handelnde auftauchen ergeben sich andere Beziehungen zu den Objekten. Je nachdem, welche Objekte im Mittelpunkt stehen kommt es zu unterschiedlichen Funktionen und Erfolgsbedingungen.

Das NTD wendet die kybernetische Prozeßtriade auch auf die Relation zwischen Subjekt und Objekt an und rechnet deshalb nicht nur mit linearen sondern auch mit Rückkopplungsprozessen. Es geht um die Gestaltung der Beziehung zum Objekt, nicht um Beziehungsabbruch.
Auch wenn wir als Beobachter auftauchen, beeinflussen wir das Objekt. Das ist unvermeidlich. Es bleibt nur diese Beeinflussung in epistemologischer Praxis zu reflektieren. Jedes Nachdenken wird erst vollständig, wenn auch die Beziehung zwischen dem Subjekt und seinen Erkenntnisobjekten mitbedacht wird.

In den Wissenschaften gilt in vielen Schulen die Regel, die Objekte möglichst nicht zu beeinflussen, weil nur so 'objektive' Erkenntnis möglich sei. Ziel ist die Unabhängigkeit des Subjekts von den Objekten. Zumindest wenn die Objekte Lebewesen sind, vor allem natürlich Menschen, ist dies kaum möglich. Die Interaktionsobjekte werden die Beobachtung als Handeln wahrnehmen und können ihr Verhalten entsprechend beeinflussen. Da hilft auch die empfohlene maximale Kontaktbeschränkung wenig. In dieser Radikalität wird das Axiom deshalb von der triadischen Epistemologie nicht unterstützt.
Die Kommunikative Sozialforschung macht die Interaktion zwischen dem Forscher und seinen Gegenüber zum Grundprinzip nicht nur der Datenerhebung sondern auch der -auswertung. Vgl. Giesecke/Rappe-Giesecke 1997, Ziegaus 2009.

Andererseits ist klar, daß epistemische Systeme primär nicht an der Veränderung der Objekte sondern an kognitiver Modellbildung über die Objekte interessiert sind.
Eine Praxis, deren Hauptfunktion die Produktion von Erkenntnis (in Form von Modellen ) ist, soll epistemische Praxis heißen.
Diese Funktion unterscheidet die epistemische Praxis von anderen Gattungen, die etwa Dienstleistungen, die materielle Produktion oder den Transport von Gütern als Funktion festlegen.

Es gibt viele Formen der Erkenntnis, u.a. schon deshalb weil es viele Formen von Information gibt: Wissen in Form von Daten oder von Modelle über die Umwelt, Erfahrungen aus praktischen Handeln, Selbsterfahrung, darunter auch Informationen über die Programme und Werte, die eigenes - und fremdes Handeln - steuern usf. Entsprechend ist mit vielen Arten epistemischer Praxis zurechnen. Vgl. Modelle, Programme und Axiome

Eine epistemische Praxis, deren Ziel der Gewinn neuer Erkenntnis in Form von Modellen und deren Beschreibungen ist, entspricht weitgehend der neuzeitlichen wissenschaftlichen Forschungspraxis. Die individuelle epistemische Praxis ist hier meist gleichermaßen Teil kommunikativer Sozialsysteme. Sie richtet sich an tatsächliche oder fiktive Adressaten. Die immer gegebene Verschränkung der drei Praxisklassen ist besonders eng.

Umweltbeziehungen und Grenzen

Für die Beziehungen der Praxis zur Umwelt gilt die Grenzgestaltungstriade, die zwischen der Grenzziehung, der Schaffung von Grenzübergängen und der Grenzsicherung und ggfs. -anpassung unterscheidet. In der individuellen epistemischen Praxis geht es im wesentlichen um eine Umwelt aus Informationen und die Gestaltung des Austauschs von Informationen. Der Input sind Daten, der Output Modelle, die am besten so materialisiert sind, daß sie kommuniziert werden können und damit in eine soziale Praxis münden.
Jede Praxis transformiert sich und die Welt durch Prozesse, nimmt Raum ein und verändert dessen Eigenschaften, ist ein Ding und transformiert Dinge. Individuelle epistemische Praxis transformiert Informationen, verändert vor allem den Denkraum der Menschen und erzeugt Begriffe, Programme, Modelle, Werte als Dinge.

axiomatik_ntd, id1371, letzte Änderung: 2021-09-22 11:04:42